
Dass Alleinerziehende es auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben als Paare mit Kindern oder Kinderlose, ist kein unbekanntes Phänomen. Wie extrem ihre Benachteiligung aber tatsächlich ist, zeigt jetzt eine aktuelle Untersuchung des DGB.
Die Analyse des Bereichs Arbeitsmarktpolitik des DGB-Bundesvorstands zeigt: Wer alleinerziehend ist, hat auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance auf Existenz sichernde Beschäftigung. 43 Prozent aller Alleinerziehenden-Haushalte sind auf Leistungen aus dem Hartz-IV-System angewiesen und mit der Zahl der Kinder steigt das Hartz-IV- und Armutsrisiko deutlich (siehe Grafik).
Dabei sind Alleinerziehende keinesfalls seltener erwerbstätig als der Rest der Bevölkerung. Für 58 Prozent ist die eigene Erwerbstätigkeit die wichtigste Einnahmequelle. Trotzdem sind für Alleinerziehende die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt in fast allen Bereichen nachteilig.
Die Hälfte aller Haushalte mit nur einem Elternteil verfügt über ein monatliches Nettoeinkommen aus Erwerbstätigkeit von unter 1300 Euro. Das deute unter anderem auf einen hohen Anteil von Teilzeitbeschäftigten unter den Alleinerziehenden hin, heißt es in der DGB-Untersuchung. Nicht zuletzt durch die Hartz-Reformen sei zudem der Minijob- und Niedriglohnbereich deutlich ausgeweitet worden. Vor allem Teilzeitstellen wurden dadurch schlechter bezahlt und damit prekärer, lautet ein Resümee der Untersuchung. Das habe insbesondere Frauen und damit auch den Großteil der Alleinerziehenden getroffen über 90 Prozent aller Alleinerziehenden sind Mütter.
Wer nicht erwerbstätig ist, schafft es kaum wieder aus der Arbeitslosigkeit heraus. Besser gesagt: aus der Langzeitarbeitslosigkeit. Einmal arbeitslos geworden, ist laut DGB-Studie die Wahrscheinlichkeit, nach zwölf Monaten Arbeitslosengeld II (ALG II) beziehen zu müssen, sehr hoch. Und die Situation alleinerziehender Arbeitsloser hat sich in den vergangenen Jahren noch deutlich verschärft: War 2005 noch jede/r Vierte über ein Jahr ohne Arbeit, ist es inzwischen schon jede/r Dritte. Und die Maßnahmen, die den Alleinerziehenden zum Wiedereintritt in den ersten Arbeitsmarkt angeboten werden, sind weder individuell auf ihre Situation zugeschnitten noch bieten sie Aussicht auf ein Existenz sicherndes Einkommen. Rund ein Drittel bekommt einen Ein-Euro-Job vermittelt statt Beratung bei der Arbeitssuche, beruflicher Weiterbildung oder der Förderung einer Berufsausbildung. Das liegt weit über dem Durchschnitt aller Arbeitslosen. Kinder dürfen nicht länger ein Armutsrisiko sein und den Ausschluss vom Arbeitsmarkt zur Folge haben, fordert DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach angesichts der Ergebnisse der Untersuchung. Der DGB hat konkrete Vorschläge gemacht, wie sich die Situation von Alleinerziehenden auf dem Arbeitsmarkt und im Hartz-IV-System verbessern lässt: Schon eine garantierte Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr würde Müttern und Vätern den (Wieder-)Einstieg in die Berufstätigkeit und in Vollzeitstellen deutlich erleichtern. Darüber hinaus fordert der DGB, die Qualifizierung und Betreuung von Alleinerziehenden von arbeitslosen wie erwerbstätigen besser auf ihre spezifischen Bedürfnisse auszurichten. Neben speziellen Qualifizierungsangeboten solle die Bundesagentur für Arbeit (BA) einige Arbeitgeberrisiken befristet übernehmen etwa Kosten, die entstehen, wenn das Kind eines Beschäftigten für längere Zeit krank ist. Außerdem müssten gezielte Initiativen der ARGEn dafür sorgen, dass arbeitslose Alleinerziehende auf Stellen mit Existenz sichernden Einkommen vermittelt werden und nicht wie heute hauptsächlich in Mini- und Ein-Euro-Jobs. Alleinerziehende müssten endlich als besondere Gruppe in die Zielvereinbarungen der für Hartz IV und Arbeitsvermittlung zuständigen Behörden aufgenommen werden, fordert Buntenbach.