
Trotz Krise und Beschäftigtenabbau ist es den Gewerkschaften 2009 gelungen, die Mitgliederzahlen weitgehend stabil zu halten. Zwar ist der Mitgliederrückgang gegenüber 2008 wieder etwas gestiegen – von 1,1 auf 1,7 Prozent. Er liegt aber deutlich unter dem der Vorjahre. Und zwei Gewerkschaften, die GEW und die GdP, konnten 2009 sogar ein Mitgliederplus erzielen.
„Krisenzeiten sind für Gewerkschaften nie gute Zeiten, wir waren noch nie Krisengewinnler“, erklärt der DGB-Vorsitzende Michael Sommer zur aktuellen Mitgliederentwicklung und stellt klar: „Trotz Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit haben wir im zurückliegenden Jahr keine größeren Einbrüche zu verzeichnen.“ Die Mitgliederentwicklung der Gewerkschaften habe sich stabilisiert.
Ende 2009 zählten die acht DGB-Gewerkschaften insgesamt 6264923 Mitglieder. Das sind zwar 106552 Mitglieder weniger als ein Jahr zuvor, doch der Mitgliederschwund ist trotz der anhaltenden Krise wesentlich geringer als vor 2008.
Bindung besser geworden
Im Schnitt sind 2009 täglich 795 Menschen neu in die Gewerkschaft eingetreten. Das sind weniger als 2008 (täglich 970 neue Mitglieder), gleichzeitig hat sich aber die Zahl der Abgänge verringert. Während 2008 die Gewerkschaften täglich 1219 Mitglieder verloren haben, waren es 2009 im Schnitt 1087 pro Tag. Die geringere Zahl von Austritten und Streichungen zeige, dass „wir bei der Bindung unserer Mitglieder besser geworden sind“, meint Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall. Den Rückgang bei den Eintritten führt er vor allem darauf zurück, dass 2009 kaum Neueinstellungen erfolgten: „Erfolge bei Neuaufnahmen hängen vor allem vom Beschäftigungsaufbau ab.“
Themen der Jugend in den Fokus
Dieser Entwicklung wollen die Gewerkschaften nicht tatenlos zusehen. Eine erfolgreiche Mitgliederentwicklung sei unverzichtbar dafür, dass die Gewerkschaften betriebs- und gesellschaftspolitisch durchsetzungsfähig bleiben, sagt etwa Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall. Deshalb stoße die IG Metall Projekte an, die die Gewerkschaften auf diesem Feld voranbringe. So werde die IG Metall sich 2010 weiterhin intensiv um die Themen Leiharbeit und prekäre Beschäftigung kümmern und die Themen der jungen Generation ganz oben auf die Tagesordnung setzen.
2008 und 2009 Erfolgsjahre für ver.di
Der Anteil der Mitglieder, die aktiv im Berufsleben stehen, blieb zudem 2009 stabil. Viele Gewerkschaften konnten ihn sogar erhöhen. Etwa ver.di: Trotz der anhaltenden Krise waren die Jahre 2008 und 2009 die erfolgreichsten seit Gründung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft. Wie bereits im Vorjahr wuchs die Zahl der erwerbstätigen Mitglieder erneut, dieses Mal um 0,5 Prozent. Damit ist der Anteil erwerbstätiger Mitglieder, der im Dezember 2001 bei gut 70 Prozent lag, auf über 75 Prozent gestiegen.
GEW und GdP mit Mitgliederzuwachse
„Dieser Erfolg beruht vor allem darauf, dass wir unsere Mitglieder konsequent an zentralen Entscheidungen, vor allem über Tarifergebnisse, beteiligen“, sagt der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske. Der GEW ist es bereits im zweiten Jahr in Folge gelungen, nach 2008 (+ 1,2 %) 2009 ein Mitgliederplus – diesmal von 2,5 Prozent – zu erreichen. Auch die GdP hat 2009 gegenüber dem Vorjahr ihre Mitgliederzahl um 0,5 Prozent erhöht.
Erschienen in: einblick 02/2010 vom 08.02.2010
Online seit: 05.02.2010